William W. Waters

William W. Waters

Autor William Werner Waters
Vor dem Fall des Apfels

Autor des Essays "Der Fall des Apfels"


Mit seinem Essay "Der Fall des Apfels" startete William W. Waters sein künstlerisches Schreiben, das als zentrale Geschichte neben anderen Essays und Gedichten im gleichnamigen Buch ISBN 978-3-928637-43-5 bei edition sisyphos erschien. Nach seiner eigenen Deutung ist das Buch eine Prosalyrik Komposition mit überwiegendem Gebrauch von Sprache, eher nach musikalischen Regelwerken als nach Schreibvorschriften. Dementsprechend klingt auch der Untertitel Prosa'n Lyrik, der Assoziationen zu Rock'n Roll, Rythm'n Blues, ham'n eggs anregen soll. Zur Komposition gehören auch die von ihm mit dem Stift gezeichneten Szenarien sowie die eigens für das zentrale Essay "Der Fall des Apfels" programmierte Schrift "little whale".

Titelblatt - Der Fall des Apfels

Verlagsflyer - zum download als PDF

edition sisyphos:

Grenze zwischen Lyrik und Prosa

Die an der Grenze zwischen Lyrik und Prosa angesiedelten Texte, die in dieser ersten Buchveröffentlichung William W. Waters versammelt sind, bestechen durch die unerhörte Eigenständigkeit der in ihnen sich artikulierenden Sprache und ihren Reichtum an unverbrauchten, treffenden Bildern. Eine gelungene Komposition. Ein vielversprechendes Debut.

eine Leserin:

Sämtliche Geschichten habe ich nacheinander ohne Unterbrechung weggelesen. Es sind interessante, spannende und wirklich außergewöhnliche Kurzgeschichten. Ich würde hier nicht von Erzählungen sprechen, denn es ist insbesondere das fast graphische Konzept der Wort- und Satzarchitektur, die besticht. Die Ansicht des Verlages, dass es sich um so etwas wie Kompositionen handelt, kann ich gut nachvollziehen. Eine interessante Leseerfahrung war, dass ich ein Essay beim zweiten Lesen ganz anders aufgefasst habe als beim ersten Mal. Ein wirklich schönes Buch mit Prosalyrik.

ein Leser:

Der Rhythmus der Gedichte hat mir gut gefallen. Ein schönes Buch voller Überraschungen und plötzlicher Wendungen sehr ansprechend. Manches kann man als schaurig schön bezeichnen. Nach einer Weile entdeckte ich eine hintergründige Philosophie und interessante psychologische Aspekte, die sich aber nicht sofort zeigen, sondern erst beim zweiten oder dritten Lesen richtig deutlich werden.

ein Alien:

Einiges hat mir ganz gut gefallen, besonders die Mondgedichte finde ich sehr nett. Einiges ist aber auch peinlich, total übertrieben und unrealistisch. Einigen Sarkasmus hätte sich der Autor auch sparen können. Ich bin sehr gespannt auf die Auswahl seiner Leseproben auf der Webseite und demnächst bei der Autorenlesung, die ich auf keinen Fall verpassen werde; als Alien möchte ich natürlich unerkannt bleiben.

Keine Ruhe finden - Zeichnung von William Werner Waters

Aktuelles


September 2020

Das Buch "Der Fall des Apfels" kann in allen Buchhandlungen oder direkt beim Verlag - edition sisyphos - bestellt werden.*

Es gibt zur Zeit keine Veranstaltungstermine

Neuigkeiten oder Events oder Nachrichten liegen noch nicht vor. Sobald ein Termin für eine Autorenlesung geplant ist, werden wir diese ankündigen. Weitere Neuigkeiten und Nachrichten werden Sie zunächst auch hier auf dieser Seite finden.


Leseproben

Drei zufällig ausgewählte Abschnitte aus dem Essay

"Der Fall des Apfels"


Ich spiele Menschheit, Teil 2. Ich spiele den größten anzunehmenden Untergang der Welt (GAUW). Ich stehe im Regen. Es regnet. Im Regen stehend, ziehe ich an der Schnur: Fall. ...zunächst ein Fallen; und dann beobachte ich, wie alles auf dem Trottoir (des Bürgers Steig) zusammen kracht, zerbirst, auseinander fliegt; ich hüpfe vor Vergnügen und gröle ein Freudengeschrei; ich habe einen Heidenspaß, das muss wohl der Spaß der Ungläubigen sein. In der Gosse liegt ein Apfelbäumchen, an dem völlig unversehrt ein Apfel hängt, ich glaube, ich sehe nicht richtig. Der größte anzunehmende Untergang der Welt (GAUW) ist ein seltsames Spiel.

Ein eisiger Wind fegte über Almaty und weiter über die kasachische Steppe. Agamen, Schlangen und Skorpione sind vor dem kalten Hauch geflohen. Nur ein kleiner Junge, ich, im Regen stehend(*2). Großvater lauschte hier den Sternen, ...

Leseprobe - Der Fall des Apfels - Schriftfont little whale - true type font ttf

Wir sind die Generation, die die Atombomben hergestellt hat. Wir haben nicht genügend darüber nachgedacht. Wir und unsere Kinder sind die Generationen, die Atombomben weiterhin bereithalten. Wir denken nicht genug darüber nach. Das ist der Fall, weil Atombomben nicht von sich aus reden; sie liegen ganz autistisch in ihren netten kleinen grünen Hügeln und schweigen. Kein solches Bömbchen sagt: "Hallo, ich würde gerne mal losfliegen und euch allen in den Arsch kneifen und ein bisschen kaputtmachen". Wenn man trotzdem in der Lage wäre, derartige Äußerungen wahrzunehmen, würde man sagen: "Kleines, du hast wohl einen Knall, bleib schön da, wo du bist und sei leise, mach lieber keine Pilze, auch wenn diese hübsch anzusehen sind". Ontologische Sekundärprävention. Womit wir uns wieder im Märchenland befinden. Das ist der Fall, weil nur das, was wir träumen, ist, was wir wahrhaftig sind und offensichtlich nur Märchen wirklich verstanden werden. (*11, *15)

Rote Ampel

Ich bleibe an der roten Fußgängerampel stehen und warte. Es ist die Straßenecke, an der manchmal einige Aliens Bürger kontrollieren. Obwohl sie heute nicht da sind und, obwohl eine große Schar von Schülern wie selbstverständlich die Straße überquert, bleibe ich stehen und warte. Vorbildlich. Oder vermeintlich vorbildlich und eigentlich zu faul, eine Ordnungswidrigkeit zu begehen. Weit und breit ist kein Auto zu sehen. Manch einer der jungen Leute denkt vielleicht, welch vorauseilender Gehorsam. Manch einer denkt viel­leicht, der alte Trottel. Vielleicht denkt auch einer, er würde ebenso gerne nach Vorschrift handeln, aber es gehört sich nicht, aus der Masse auszubrechen, oder es könnte ein Alien aus dem Gebüsch hervorspringen und ihm eine Verwarnung erteilen. Wahrscheinlich denkt keiner etwas, wahrscheinlich sieht mich nicht mal einer. Immer noch kein Auto weit und breit. Ich beschließe, nun doch die Straße über zu queren, merke, dass die Ampel schon lange auf Grün steht und, als ich zwei Schritte auf dem Zebrastreifen zurückgelegt habe, springt die Ampel auf Rot. Ein sensibles Auto hupt wütend, eine große Schar von jungen Leuten wartet brav an der roten Ampel. Ich überquere gelassen weiter, wie selbstverständlich.

Roter Mond

roter Mond
geh weg
du bist mir nicht geheuer
nie würd' ich wagen
dich rot zu nennen.

Mond Sonne Dialog 02

Die Mond hat eine Sichel gemacht
und
sich auf den Rücken gelegt,
im tiefen Süden.
Ungewöhnlich!
Das würde dem Sonn
nie in den Sinn kommen.


Vita

geboren im Oktober 1948

Gladbacher Münster

in einer mittleren Großstadt, malerisch an einem Hügel und an einem kleinen Bach gelegen. Weiter aufgewachsen in London, Toledo, Kopenhagen und La Rochelle. Der Vater war Tagelöhner, Philosoph und Lehrer, die Mutter Hausiererin, Philosophin und Köchin. Studium generale in Köln und Hagen, auch autodidaktisch.

Interviews


Interview

am 28.08.2013

A:Ist Musik Sprache?
William:

Ja, auch ohne Worte

A:Würden Sie sagen, Musik ist immer auch Sprache?
W:

Nein, nicht immer. Musik kann auch nur durch die Lust, Töne von sich zu geben, entstehen, so wie auch Sprechen ausschließlich durch die Lust am Geräuschemachen zustande kommen kann. Musik ist manchmal aber auch eine Art Kommunikation. Spieler drücken etwas aus, was bei anderen etwas eindrückt.

A:Können Spieler Gefühle ausdrücken?
W:

Es kann vorkommen, dass ein Spieler mit der Musik eine momentane Befindlichkeit transportiert, und sofern Zuhörer zufällig eine Antenne dafür haben, sie diese Stimmung mitempfinden und manchmal sogar wiederum spiegelnd ausdrücken. Ich bin davon überzeugt, dass Musiker und Publikum immer eine Art Gestaltkreis bilden und eine mehr oder weniger unbewusste komplexe Kommunikation stattfindet.

A:Sie haben einmal behauptet, nur gehörte, aber nicht gesehene Musik sei nackt.
W:

Damit meinte ich, dass für mich das Hören von Musik ein größerer Genuss ist, wenn ich die Spieler gleichzeitig sehen kann. Das mag bei anderen Leuten anders sein.Offensichtlich können viele Musik genießen, indem sie nur mit den Ohren aufnehmen, also von Datenträger abspielen, sogar mit geschlossenen Augen. Bei Musik mit klassischen Instrumenten oder Gesang finde ich es natürlich, auch zu sehen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Komponisten solcher Musik beim kreativen Prozess Bilder der Ausübung vor Augen haben.

A:Das Musiktheater macht gerade das zum Programm. Sollte alle Musik denn Musiktheater sein?
W:

Nein, es sind unterschiedliche Genres, bei denen gleichzeitiges Sehen eine mehr oder weniger große Rolle spielt. So ist bei der Synthesizermusik das Auge überhaupt nicht dabei. Oder umgekehrt kann es bei Filmmusik vorkommen, dass das Ohr nur wenig involviert ist.

A:

Ist es also so, dass Sie Musik und Sprache als gleichwertig betrachten, sowohl was das Geräuschemachen betrifft wie auch was die Kommunikation betrifft?

W:

Beides kann als Teilbereich der Semiotik aufgefasst werden oder nicht. Das sehe ich übrigens bei den anderen Künsten sehr ähnlich.




Interview

am 29.08.2013

B:Was halten Sie von Atompilzen?
William:

Atompilze sind superschöne Gebilde, echt faszinierend.

B:Was finden Sie daran faszinierend?
W:

Mmm.. da muss ich mal nachdenken, muss ich mich erst mal reinfühlen. Tja, warum finde ich diese Dinger so toll? es ist ein Gefühl, vielleicht?

B:Könnte es die Power sein, die Sie so anspricht?
W:

Diese Wahnsinnskraft, die sich da entfaltet, reißt mich irgendwie mit, könnte man so sagen.

B:Wieso aber ist das mitreißend, Sie stehen doch vor dem Bild oder Film und schauen von außen zu.?
W:

Schon; aber irgendwie stelle ich mir auch vor, ich wäre da drin, oder sogar, ich wäre das ganze Ding, und ich würde gewaltig wachsen, mächtig mich in Spiralen und dicken Ausbrüchen in die Höhe und weit über alles andere erheben, dabei einen riesigen Lärm verbreiten.

B:Hat das etwas mit Machtphantasien, vielleicht sogar mit Allmachtsphantasien zu tun?
W:

Das hat es bei mir sicher nicht, für andere Leute kann ich aber in dieser Hinsicht nicht reden.

B:Aber Sie identifizieren sich ein Stück weit mit dem Gewaltigen, Erhabenen.
W:

Ja, aber es ist bei mir nicht ein Machtgefühl, es ist eher ein Gefühl von großer Energie, ein Gefühl von großer Kraft, welches ich genieße. Und ich denke das Ding hat außerdem noch eine schöne Form, es ist ein kallistisches Gebilde, das hat beim direkten Ansehen keinen Makel. Es ist groß, klar, voller Kraft und Freude, gewaltig schön.

B:Wir reden immer noch von Atompilzen, oder?
W:

Sicher, so ein Pilz ist doch auch wirklich etwas Schönes. Es gab übrigens schon mal Werbepsychologen, die den Atompilz mit einer Jazzgitarre assoziiert haben, und die Firma, die ich hier nicht namentlich nennen möchte, dazu gebracht haben, tatsächlich ihre Gitarren mit dem Bild eines Atompilzes zu bewerben.

B:Das Atompilzbild ist aber auch sonst ein ganz guter Interessantmacher, in vielerlei Hinsicht.
W:

Das stimmt wohl. Sogar Webseiten, die die atomare Abrüstung beinhalten und auch zum Ziel haben, machen mit dem schönen Pilz auf sich aufmerksam.

B:Blöder gehts wohl aber nicht, oder?
W:

Das Problem ist, dass in dem Bild des Atompilzes seine Folgen nicht reingemalt sind. Und es ist ungeheuer schwierig, wenn nicht gar unmöglich, von einem ganz tollen, wunderschönen Bild logisch auf das größte Grauen zu schließen.